Stadtentwicklung

Resilienz: Was die Kommunalpolitik anpacken sollte, damit unsere Stadt funktionsfähig bleibt!

Angesichts der Vielzahl schockartiger Ereignisse und Krisen, ist der Begriff der Resilienz schon länger in aller Munde. Resilienz wird entsprechend auch als wichtige Komponente für eine zukunftsfeste integrierte Stadtentwicklung gesehen. Die Vielfalt und Breite der Definitionen und Anwendungsfelder für Resilienzkonzepte, lässt einen umsetzungsorientierten und pragmatischen Umgang in der städtischen Praxis sinnvoll erscheinen. 

In diesem Beitrag wird die vom BBSR (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung) mit Partnern entwickelte Idee des „Stresstests für Städte und Gemeinden“ skizziert und auf die Vorteile des Instruments für die Umsetzung einer vorsorgenden Stadtentwicklung hingewiesen.

Anmerkung der Redaktion: das Neu-Isenburger Extrablatt hat 2019 in vier Folgen von April bis November den „Stresstest Stadt“ in Zusammenarbeit mit dem BBSR und Dr. Peter Jakubowski veröffentlicht. Die Ausgaben vom Neu-Isenburger Extrablatt sind im Archiv zu finden. Auch die Stadt Neu-Isenburg sollte damit unterstützt werden, um ihre Resilienz Eigenschaften praxisnah ermitteln zu können. Ergebnisse bezogen auf Neu-Isenburg sind der Redaktion nicht bekannt.
 

Krisen und Resilienz

Der Zukunftsforscher Matthias Horx hat bereits 2011 die große Karriere des Begriffs der Resilienz heraufziehen sehen. Er formulierte pointiert: „Resilienz wird in den nächsten Jahren den schönen Begriff der Nachhaltigkeit ablösen. Hinter der Nachhaltigkeit steckt eine alte Harmonie-Illusion, dass es einen fixierbaren, dauerhaften Gleichgewichtszustand geben könnte, in dem wir uns mit der Natur ausgleichen können“ Unabhängig von der empirischen Belastbarkeit der horxschen Aussage hat sich der Resilienz Begriff mittlerweile in beinahe jede politische wie fachliche Debatte eingenistet und angesichts der ebenso sogenannten „multiplen Krisen“ Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden: Resilienz ist omnipräsent.

Ein Blick auf die schockartigen, einschneidenden Ereignisse der letzten Jahre zeigt, warum der Nachhaltigkeit zugrundeliegende Idee der im Zeitablauf anzustrebenden Gleichgewichte, nur noch selten im Mittelpunkt der Debatten steht. Die nächsten Gesellschaften stehen wahrscheinlich vor der großen Herausforderung, Anpassung an die globalen Wandelprozesse als Leitmotiv gesellschaftlichen Handelns zu akzeptieren – sich also im Agieren und Reagieren auf die vielfältigen Wandelprozesse und damit verbundene krisenhafte Ereignisse einzulassen. „Resilienz“ wird zur Beschreibung der Art und Weise herangezogen, wie Menschen, Organisationen oder Systeme gegenüber Stressen oder Störungen reagieren. Der Begriff kann mit Widerstandsfähigkeit, Elastizität, Spannkraft übersetzt werden. Resilienz hat viele Facetten, ihren Kern bilden Erholungsfähigkeit sowie Flexibilität im Handeln und Vielfalt in Strukturen und Lösungswegen. Die Attribute von Resilienz können nur dann entwickelt und in Wert gesetzt werden, wenn Menschen und Systeme über Reserven an Energie und Ideen verfügen.
 

Grundlagen Stresstest für Städte

Bereits 2018 wurde der Prototyp für einen Stresstest für Städte entwickelt, der auf dem Modell einer „funktionsfähigen Stadt“ basiert. Diese urbanen Grundfunktionen als Kerneigenschaften der funktionsfähigen Stadt wurden formuliert und durch Bereiche abgebildet, mit denen die wichtigsten Resilienz Eigenschaften einer Stadt beschrieben werden können, mit denen die Resilienz einer Stadt, verstanden als Robustheit und Anpassungsfähigkeit gegenüber Stressen, ermittelt werden kann. Acht sogenannte Deskriptoren wurden hierfür benannt, von den Finanzen bis zum Sozialkapital.
 

Ausblick

Mit dem Memorandum für Urbane Resilienz hat der Bund ein Bündel von Empfehlungen vorgeschlagen, mit denen die Stadtentwicklungspolitik Städte auf dem Weg zur Resilienz unterstützen kann. Der Stresstest kann eine Lücke in der integrierten Stadtentwicklung füllen. Er erweitert außerdem die Instrumente und Maßnahmen des Bevölkerungsschutzes im Sinne der Risikovorsorge. In der Praxis empfiehlt es sich, zur Durchführung eines Stresstests in der jeweiligen Stadt eine Projektgruppe zu bilden, die mit den relevanten kommunalen Fachämtern und möglicherweise weiteren Akteuren besetzt ist. Sie muss methodische Fragen klären und über die zu verwendenden Informationen, Daten und Indikatoren entscheiden.
 

Dr. Peter Jakubowski, Leiter des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung 
im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Bonn.
Quelle: Jürgen Schulzki

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