Warum Neu-Isenburgs Gründungstag 
am 24. Juli nie vergessen werden darf!

Das Gründungsjahr von Neu-Isenburg war 1699! Protestanten aus Frankreich, die aus ihrem Heimatland fliehen mussten, konnten sich hier ansiedeln. Sie bekamen die Möglichkeit, sich eine neue Existenz aufzubauen – eine Möglichkeit, die sie mit Erfolg nutzten. So schrieb der frühere Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier bereits zum 320-jährigen Gründungstag dem Neu-Isenburger Extrablatt ein Grußwort.

Und Volker Bouffier ergänzte: „Ich freue mich, wenn an die Gründungsgeschichte der Stadt und an ihre Entwicklung seit 1699 erinnert wird. Das bietet die Gelegenheit, die Geschichte der Stadt und damit die Geschichte der Menschen, die hier gelebt haben und heute leben, Revue passieren zu lassen. Die Vergangenheit muss kennen, wer die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten will“. Ein Ort der deutschen Demokratiegeschichte ist hier bereits 1702 entstanden, mit Selbstbestimmung, Wahlrecht und gemeindlicher Selbstorganisation.


Ort der Demokratiegeschichte

Volker Bouffier würdigte im letzten Jahr mit dieser Plakette Neu-Isenburg als Ort der Demokratiegeschichte.
Und Frank-Walter Steinmeier als Schirmherr vom „Tag der Demokratiegeschichte, schickte am 18. März 2026 eine Videogrußbotschaft, die auf dem Marktplatz im Alten Ort gezeigt wurde.

 

Erinnerungskultur

Die 8-seitige Themenzeitung vom Neu-Isenburger Extrablatt stellt anlässlich des 327jährigen Geburtstags der Hugenottenstadt, die Gründer der „Welschen Dorfs“ in den Mittelpunkt. Welsches Dorf? Ja, so nannten unsere Nachbargemeinden die Hugenottensiedlung. Damals stand das Wort „Welsch“ noch für Ausländer. Die Namen der ersten 30 Neu-Isenburger Hugenotten sind auf den Seiten 3 und 4 nachzulesen. Sie hatten 49 Kinder im Gepäck. Heute leben noch 13 Nachkommen von Hugenottenfamilien in der Stadt.

Werner Alfons Stahl und die Autoren der Vereins Pour l Ýseboursch e.V. haben das kleine Buch Voilà – gewählt is‘, als Themenheft herausgegeben, um die Entwicklung des demo-kratischen Denkens in Neu-Isenburg aufzuzeigen. Und das kleine Buch hat einen großen Inhalt, denn es führt uns in eine Epoche, wo in Neu-Isenburg bereits 1702 demokratische Strukturen praktiziert wurden.

Doch was gilt heute noch politisch – ist das Mitspracherecht zur Zukunft des Alten Ortes und der Marktplatzgestaltung inzwischen eingeschränkt worden?

Volker Bouffier

Plakette Ort der Demokratiegeschichte

Frank-Walter Steinmeier

Resilienz: Was die Kommunalpolitik anpacken sollte, damit unsere Stadt funktionsfähig bleibt!

Angesichts der Vielzahl schockartiger Ereignisse und Krisen, ist der Begriff der Resilienz schon länger in aller Munde. Resilienz wird entsprechend auch als wichtige Komponente für eine zukunftsfeste integrierte Stadtentwicklung gesehen. Die Vielfalt und Breite der Definitionen und Anwendungsfelder für Resilienzkonzepte, lässt einen umsetzungsorientierten und pragmatischen Umgang in der städtischen Praxis sinnvoll erscheinen. 

In diesem Beitrag wird die vom BBSR (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung) mit Partnern entwickelte Idee des „Stresstests für Städte und Gemeinden“ skizziert und auf die Vorteile des Instruments für die Umsetzung einer vorsorgenden Stadtentwicklung hingewiesen.

Anmerkung der Redaktion: das Neu-Isenburger Extrablatt hat 2019 in vier Folgen von April bis November den „Stresstest Stadt“ in Zusammenarbeit mit dem BBSR und Dr. Peter Jakubowski veröffentlicht. Die Ausgaben vom Neu-Isenburger Extrablatt sind im Archiv zu finden. Auch die Stadt Neu-Isenburg sollte damit unterstützt werden, um ihre Resilienz Eigenschaften praxisnah ermitteln zu können. Ergebnisse bezogen auf Neu-Isenburg sind der Redaktion nicht bekannt.
 

Krisen und Resilienz

Der Zukunftsforscher Matthias Horx hat bereits 2011 die große Karriere des Begriffs der Resilienz heraufziehen sehen. Er formulierte pointiert: „Resilienz wird in den nächsten Jahren den schönen Begriff der Nachhaltigkeit ablösen. Hinter der Nachhaltigkeit steckt eine alte Harmonie-Illusion, dass es einen fixierbaren, dauerhaften Gleichgewichtszustand geben könnte, in dem wir uns mit der Natur ausgleichen können“ Unabhängig von der empirischen Belastbarkeit der horxschen Aussage hat sich der Resilienz Begriff mittlerweile in beinahe jede politische wie fachliche Debatte eingenistet und angesichts der ebenso sogenannten „multiplen Krisen“ Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden: Resilienz ist omnipräsent.

Ein Blick auf die schockartigen, einschneidenden Ereignisse der letzten Jahre zeigt, warum der Nachhaltigkeit zugrundeliegende Idee der im Zeitablauf anzustrebenden Gleichgewichte, nur noch selten im Mittelpunkt der Debatten steht. Die nächsten Gesellschaften stehen wahrscheinlich vor der großen Herausforderung, Anpassung an die globalen Wandelprozesse als Leitmotiv gesellschaftlichen Handelns zu akzeptieren – sich also im Agieren und Reagieren auf die vielfältigen Wandelprozesse und damit verbundene krisenhafte Ereignisse einzulassen. „Resilienz“ wird zur Beschreibung der Art und Weise herangezogen, wie Menschen, Organisationen oder Systeme gegenüber Stressen oder Störungen reagieren. Der Begriff kann mit Widerstandsfähigkeit, Elastizität, Spannkraft übersetzt werden. Resilienz hat viele Facetten, ihren Kern bilden Erholungsfähigkeit sowie Flexibilität im Handeln und Vielfalt in Strukturen und Lösungswegen. Die Attribute von Resilienz können nur dann entwickelt und in Wert gesetzt werden, wenn Menschen und Systeme über Reserven an Energie und Ideen verfügen.
 

Grundlagen Stresstest für Städte

Bereits 2018 wurde der Prototyp für einen Stresstest für Städte entwickelt, der auf dem Modell einer „funktionsfähigen Stadt“ basiert. Diese urbanen Grundfunktionen als Kerneigenschaften der funktionsfähigen Stadt wurden formuliert und durch Bereiche abgebildet, mit denen die wichtigsten Resilienz Eigenschaften einer Stadt beschrieben werden können, mit denen die Resilienz einer Stadt, verstanden als Robustheit und Anpassungsfähigkeit gegenüber Stressen, ermittelt werden kann. Acht sogenannte Deskriptoren wurden hierfür benannt, von den Finanzen bis zum Sozialkapital.
 

Ausblick

Mit dem Memorandum für Urbane Resilienz hat der Bund ein Bündel von Empfehlungen vorgeschlagen, mit denen die Stadtentwicklungspolitik Städte auf dem Weg zur Resilienz unterstützen kann. Der Stresstest kann eine Lücke in der integrierten Stadtentwicklung füllen. Er erweitert außerdem die Instrumente und Maßnahmen des Bevölkerungsschutzes im Sinne der Risikovorsorge. In der Praxis empfiehlt es sich, zur Durchführung eines Stresstests in der jeweiligen Stadt eine Projektgruppe zu bilden, die mit den relevanten kommunalen Fachämtern und möglicherweise weiteren Akteuren besetzt ist. Sie muss methodische Fragen klären und über die zu verwendenden Informationen, Daten und Indikatoren entscheiden.
 

Dr. Peter Jakubowski, Leiter des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung 
im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Bonn.
Quelle: Jürgen Schulzki

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